Antiziganismus begegnen

Kommende Veranstaltungen

 Arbeitsstelle Antiziganismusprävention u. Transfer Together- Podcast:
Antiziganismus in den Medien -

"Warum es mich so wütend macht"

Die WDR-Talkshow “Die letzte Instanz” vom 29. Januar 2021 hat für viel Aufregung gesorgt.
In der Runde wurden rassistische Bilder von Sinti und Roma diskutiert, ohne Betroffene zu Wort kommen zu lassen. Das Beispiel zeigt, wie aktuell und wichtig es ist, über diese Stereotype aufzuklären und über die weit verbreitete Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland zu sprechen. Die Podcastfolge ist auf der Website von Transfer Together zu finden und unter diesem Text.

Nadine Küßner (Antiziganismusprävention, PH Heidelberg) hat für diese Podcast-Folge mit folgenden Gästen über Antiziganismus in den Medien gesprochen und darüber, wie man ihm begegnen kann:


Anja Reuss (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)
Anja Reuss ist Politische Referentin des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind: Die Dimensionen des Antiziganismus in Medien und der Polizei, Hasskriminalität und der Datenerfassung. Sie ist Mitglied der Gesellschaft für Antiziganismusforschung und veröffentlichte 2015 eine Studie zum Antiziganismus in Deutschland nach 1945 und ist Mitherausgeberin des 2020 erschienenem Sammelband Antigypsyism and Film. 

 

Georgi Ivanov (Amaro Foro e.V.)

Amaro Foro ist eine Jugendselbstorganisation von Roma und Nicht-Roma in Berlin und die Landesgliederung von Amaro Drom e.V.

Georgi Ivanov engagiert sich seit mehreren Jahren u.A. im sozialen Bereich bei Amaro Foro und ist dort für die Anlauf- und Beratungsstelle zuständig. Neben der praktischen Unterstützung für Jugendlichen und Erwachsenen dokumentiert der Verein auch systematisch antiziganistisch motivierte Vorfälle in Berlin und bietet Fortbildungen zum Thema Antiziganismus für Sozialberater*innen, Leistungsbehörden und Medienschaffenden an. 

Angelina Kappler (deutsche Sintiza)
Angelina Kappler ist Ernährungswissenschaftlerin und Winzerin und war im Jahr 2019/20 die 71 deutsche Weinkönign. Sie stammt aus einer Sinti-Familie und nutz ihre Bekanntheit um auf die Diskriminierung von Sinti und Roma aufmerksam zu machen.

 

Die Podcast-Reihe von Transfer Together findet ihr auf folgender Website:
 

https://transfertogether.de/podcast/

Podcast: Antiziganismus in den Medien - Warum es mich so wütend machtArbeitsstelle Antiziganismus u. Transfer Together
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NEWS

Was gibt es neues auf unserer Website

Brandanschlag in Weidenstetten am 19.03.21

Am Morgen des 19. März 2021 wurden in Weidenstetten im Alb-Donau-Kreis unweit von Ulm drei Wohnwagen einer Zirkustruppe, zu der auch Sinti gehören, durch einen Brand zerstört.
Der Zirkus musste vor 15 Monaten aufgrund der Corona-Pandemie, die Aufführungen unmöglich machte, am Ortsrand von Weidenstetten sein Lager aufschlagen.

Zwei junge Männer kamen bei dem Brand beinahe ums Leben. Sie verloren alles, was sie besitzen. Der Wohnwagen eines weiteren Mitglieds des Zirkus ist größtenteils abgebrannt.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Ein antiziganistischer Brandanschlag mit dem Ziel der Vertreibung kann nicht ausgeschlossen werden. Es wurde auch berichtet, der Bürgermeister habe dem Zirkus angedroht, dass seine Wagen in Flammen aufgehen könnten, wenn er nicht weiterziehen würde. Zugleich kam es nach dem Brand zu einer Solidarisierung aus der lokalen Bevölkerung. Eine Sammlung fand statt, ein Ulmer Hotel stellte eine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung, neue Wohnwagen wurden gespendet.

Der Verband Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Baden-Württemberg steht in Kontakt mit den Betroffenen und hat ihnen bürgerrechtlichen Rechtsschutz angeboten. Ihre Entscheidung darüber steht noch aus. Sollte sich der Verdacht eines antiziganistischen Brandanschlags erhärten, würden Erinnerungen an den Anschlag im Mai 2019 auf eine Roma-Familie in dieser Region geweckt. Die Täter wurden vom Landgericht Ulm im September 2020 wegen versuchter Vertreibung bzw. gemeinschaftlicher Nötigung verurteilt. Der VDSR-BW hat den Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus, Dr. Michael Blume, von dem möglichen antiziganistischen Anschlag in Kenntnis gesetzt.

Die Arbeitsstelle Antiziganismusprävention steht im engen Kontakt zu unserem Kooperationspartner des Verbands Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Baden-Württemberg, der uns über die Geschehnisse weiterhin informiert.
Die Arbeitstelle Antiziganismusprävention verurteilt den Brandanschlag und fordert eine sofortige polizeiliche und juristische Aufklärung des Anschlags.

Pressemitteilung und Mitteilung über zentrale Ergebnisse der Bildungsstudie zur Lage der Sinti und Roma in Deutschland 2021 vom Kulturhaus Romnokher Mannheim

Über die Ergebnisse der Bildungsstudie werden sich Nadine Küßner (Pädagogische Hochschule Heidelberg, Transfer Together) mit Daniel Strauß (Vorsitzender, Verband Deutscher Sinti und Roma e.V., Landesverband Baden-Württemberg) und Christoph Leucht (Hildegard Lagrenne Stiftung) in einem Podcastgespräch austauschen, das im Rahmen der Heidelberger Antidiskriminierungsgespräche und der Internationalen Woche gegen Rassismus veröffentlicht wird. Nähere Informationen folgen bald.

Auszug aus der VRM Wormser Zeitung, vom 9.03.2021, S. 11

INTERVIEW

Staatsbürgerrechte aberkannt

 

Julian Harm von der Arbeitsstelle Antiziganismusprävention hat sich in seiner Bachelorarbeit mit der Verfolgung der Sinti und Roma in Worms beschäftigt.

 

Das Interview führte Ulrike Schäfer.

 

WORMS. "Mechanismen antiziganistischer Exklusion im regionalgeschichtlichen Kontext der Stadt Worms: Die Erfassung und Verfolgung der Wormser Sinti und Roma während des Nationalsozialismus" lautet der Titel der 134 Seiten umfassenden Bachelorarbeit, die der Wormser Julian Harm, Student für Sonderpädagogik, Geschichte und Deutsch, geschrieben hat.

 

Herr Harm, wie kommt es, dass Sie sich ausgerechnet mit diesem schwierigen Thema auseinandersetzen?

 

Ich bekam schon während meines Freiwilligen Sozialen Jahres in Bergen-Belsen einen Bezug dazu. Seit Beginn meines Studiums in Heidelberg arbeite ich nun als wissenschaftliche Hilfskraft in der Arbeitsstelle Antiziganismus prävention. Das hat mich bewogen, mich auch in meiner Bachelor-Arbeit mit diesem Thema zu beschäftigen, und da ich seit 2017 in Worms wohne, habe ich mich auf die Wormser Situation konzentriert, und zwar auf den Zeitraum ab Beginn des Deutschen Kaiserreichs 1871 bis zum Jahr 1943.

 

Während man hier schon sehr früh mit der Aufarbeitung der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger begonnen hat, gibt es bisher nichts Vergleichbares für die Wormser Sinti und Roma.

 

Ja, es hat überhaupt sehr lange gedauert, bis man diese Opfergruppe in den Blick genommen hat. Es gibt auch nach wie vor große Vorurteile gegen Sinti und Roma.

 

Wie konnten sie sich entwickeln und so hartnäckig verfestigen?

 

Die Sinti wurden schon sehr früh ausgegrenzt, bereits 1498 für vogelfrei, also für rechtsfrei, erklärt. Das heißt, sie waren quasi gezwungen zu wandern, was natürlich Auswirkungen auf Bildung und Berufsleben hatte. Das Herumziehen haftet ihnen seit dieser Zeit als Stigma an. Das Wandergewerbe stand unter dem Generalverdacht der Unrechtschaffenheit und Arbeitsscheue. Im 19./20. Jahrhundert, insbesondere nach der Reichsgründung 1871, erhielten Sinti zwar wie alle Deutschen Staatsbürgerrechte, aber man versuchte sehr rasch, sie zu kriminalisieren und aus den Gemeinden zu verdrängen. Dazu entwickelte man ein minutiöses Regelwerk an schwer einzuhaltenden Bestimmungen und verstärkte auf diese Weise antiziganistische Vorurteile. Beispielsweise konnte schon ein fehlender Wandergewerbeschein oder ein unerlaubtes Überschreiten der Landesgrenzen, etwa von Worms nach Frankenthal, als Vergehen geahndet werden. Im Königreich Bayern zuerst und schließlich 1929 auch im Volksstaat Hessen wurde dann ein "Zigeunergesetz" erlassen, das eine illegale Erfassung und Überwachung dieser Minderheit möglich machte. Darauf konnten die Nazis später gut aufbauen.

 

Wie war das in Worms?

 

Nicht anders. Die Polizeiakten belegen das immer wieder. Nach 1905 wurden kommunale Lagerplätze geschaffen, die Sinti und Roma von der Mehrheitsbevölkerung trennten. Weil sich Anlieger immer wieder beschwerten, wurden die Familien regelrecht herumgescheucht. Ein Teil der sesshaften Sinti lebte in der Altstadt oder wurde in die Trumpen angesiedelt, wo sie in Baracken und alten Eisenbahnwagen lebten. Nach 1933 erhielten die Sinti Berufsverbot, ab 1942 wurde den Kindern der Schulbesuch verwehrt, um nur einiges zu nennen.

 

In Ihrer Arbeit haben Sie auch Beispiele erwähnt?

 

Die Sinti sind deutsche Staatsbürger und fühlten sich ihrer Heimat verbunden. Sie lebten ja schon seit Generationen hier. Mich hat besonders der Brief einer Gruppe von Familien berührt, die auf dem Standplatz Adlerberg (Wäldchen) logierten. Sie sollten ausgewiesen werden und baten flehentlich: "Wir wollen nur einen festen Platz, da wir ja kein Handelsgewerbe betreiben dürfen. Wir sind Reichsdeutsche und haben aktiv im deutschen Heer gedient." Sie hatten aber keine Chance. Niemand setzte sich für sie ein.

 

Auch die Wormser Sinti wurden schließlich Opfer des nationalsozialistischen Rassenhasses.

 

Ja. Und viele waren an der Verfolgung beteiligt, Juristen, Wissenschaftler, Ärzte und natürlich die Kriminalpolizei. In Worms erkannte sie den Sinti sogar eigenmächtig die Staatsbürgerrechte ab.

 

Was passierte am 16. Mai 1940?

 

Gegen 11.50 Uhr wurden die Menschen vom Güterbahnhof aus ins Sammellager Hohenasperg bei Ludwigsburg gebracht, auch Stefan "Männi" Köcher, damals noch ein Kleinkind, der einzige noch lebende Wormser Sinto, heute über 80 Jahre. Während ihm und seiner Mutter die Rückkehr gelang, wurden die meisten anderen Leidensgenossen nach Jedrzejow in das besetzte Polen (Generalgouvernement) verschleppt. Andere erfüllten die von den Nazis festgelegten Sonderkriterien und wurden erst bei der Deportation vom 26. Juni 1940 ins Lager Dieselstraße in Frankfurt gebracht, wo sie unter erbärmlichen Umständen Zwangsarbeit leisten mussten, ehe ein Großteil von ihnen nach Auschwitz gebracht wurde. Es dauerte Jahre, bis Anton Steinbach, der in sieben KZs gewesen war, nach langen Kämpfen endlich eine Gedenktafel an der ehemaligen Polizeikaserne und das Mahnmal auf dem Hauptfriedhof durchsetzen konnte.

 

Wie stellt sich die Mehrheitsbevölkerung heute zu der Minderheit der Sinti und Roma?

 

Der Leipziger Autoritarimus Studie zufolge, die alle zwei Jahre erneuert wird, hätten 2020 immerhin etwa 41 Prozent aller Deutschen Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in ihrer Gegend aufhielten. Die Diskriminierung ist also weiterhin ungebrochen. Aber ich sehe auch durchaus eine positive Entwicklung. Sehr gut finde ich, dass Stadtratsmitglied Carlo Riva seit 2015 am 16. Mai einen Gedenktag für die verfolgten Wormser Sinti und Roma organisiert.

Erinnern zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27.01.21

 

Am heutigen Internationalen Holocaust-Gedenktag erinnert die Arbeitsstelle Antiziganismusprävention an die Opfer des Nationalsozialismus und insbesondere an die ermordet ca. 500.000 Menschen mit Romno-Hintergrund in Europa.

Die Heidelberger Lupe sowie die Forschungstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg hat in Kooperation mit uns ein Gedenkvideo aufgenommen. In dem Beitrag verliest die Bürgerrechtlerin Ilona Lagrene und die Vorsitzende des Vereins Heidelberger Lupe Verena Meier ein Gedicht, dass auf Romanes überliefert wurde. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligte, auch an den Schnitt des Videos Shay Dashevsky.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Heidelberger Antidiskriminierungsgespräche – Podcastreihe

Ab Freitag, den 27.11., kann man drei Podcasts unserer Veranstaltungsreihe über die Seite von Mosaik Deutschland e. V. abrufen: Dr. Klemens Ketelhut, der neue Geschäftsführer des Annelie-Wellensiek-Zentrums der PH Heidelberg, hat mit Peter Bienwald (LAG Jungenarbeit Sachsen) und Katharina Debus (dissens) über Sexualität und Geschlecht im Kontext Schule diskutiert (Podcast I und II). Dinah Wiestler, wissenschaftliche Mitarbeiterin unserer Arbeitsstelle, hat mit Pfarrer Dr. Hoffmann-Richter (Beauftragter der Ev. Landeskirche Württemberg für die Zusammenarbeit mit Sinti und Roma) und Renate Melis (Sintiza und Multiplikatorin im Schulprojekt mit Hoffmann-Richter) über Hemmnisse und Möglichkeiten bei der Überwindung von Antiziganismus im Schulunterricht gesprochen (Podcast III). Blog – Mosaik Deutschland e.V. (mosaik-deutschland.de)

Bericht des European Roma Rights Centre (ERRC) über die Auswirkung von Antiziganismus und die aktuelle Corona-Pandemie auf die Diskriminierung europäischer Rom*nja

Das European Roma Right Center hat einen Bericht veröffentlicht, der für Rom*nja diskriminierende Vorkommnisse innerhalb von EU-Länder und Nicht-EU-Länder thematisiert und zeigt, dass sich die Situation von europäischen Rom*nja unter der aktuellen Pandemiebedingungen massiv verschlechtert hat.

Der Bericht ist unter folgendem Link downloadbar: 
http://www.errc.org/uploads/upload_en/file/5265_file1_roma-rights-in-the-time-of-covid..pdf

errc Corona Screenshot.JPG

Titelbild des Berichts des ERRC "Roma rights in the time of covid" © errc

"Jenseits eines Vorurteils" -

Ein Beitrag der Arbeitsstelle Antiziganismusprävention

Der Beitrag versucht in die Dimensionen der Vorurteilsstruktur/ des Komplexes Antiziganismus einzuführen , um Denkanstöße ins Rollen zu bringen.
 

Schaut es euch an unter dem Transfer-Together-Blog

 

https://transfertogether.de/antiziganismus-jenseits-des-vorurteils/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Screenshot des Transfer-Together-Blogs mit dem Blogbeitrag "Jenseits eines Vorurteils" © Projekt TRANSFER TOGETHER

 

 

Screenshot des Blogbeitrages

Interwiew mit Günther Weiss

Günther Weiss, der ehemalige Leiter der Kriminalpolizei in Lahr/Schwarzwald und Kehl/Rhein, ist der Sohn eines Überlebenden des Völkermords. Sein Vater erzählte ihm erst von den Grauen des Holocaust, als in der Schule das Thema Nationalsozialismus behandelt wurde. Dieses Schicksal beeinflusste Günther Weiss’ Sinn für Gerechtigkeit. In der Polizei ging er offen mit seiner Zugehörigkeit zur Minderheit um. Heute, als Rentner, geht er zahlreichen Ehrenämtern nach, u.a. hat er an Polizeihochschulen über die Geschichte der Sinti und Roma aufgeklärt.
Das Thema des Interviews ist ist die 300 Jahre alte polizeiliche Sondererfassung der Minderheit auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.

Das Interview wurde in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg veröffentlicht.

Im folgenden ein Ausschnitt aus dem Interview:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das gesamte Interview ist ab sofort auf unserem Digitalen Stadtrundgang bei dem Punkt Antiziganismus und Polizei zu sehen, unter folgendem Link: https://sway.office.com/nK0uLgNUym3AgY1p?ref=Link

Einen Überblick über die Stationen und Themen des Stadtrundgangs findet ihr hier:
https://www.azp-hd.org/stadtrundgang

Pressemitteilung des Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung:

Studie zur Darstellung von Roma in europäischen Lehrplänen und Schulbüchern

 

In einer ersten Sichtung von Lehrplänen und Schulbüchern für die Fächer Geschichte, Politik- und Sozialkunde sowie Geographie in 21 europäischen Ländern und Kosovo legen der Europarat, der Roma-Education Fonds und das Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie vor. Dabei wurden 850 Bücher daraufhin untersucht, wie häufig Roma in ihnen erwähnt werden, in welchen thematischen Zusammenhängen sie vorkommen und welche Bilder dabei vermittelt werden.

Stereotype Darstellungen von Musikern, Tänzerinnen und ungewaschenen Kindern als Roma, bilden die Normalität. Auch wenn Schulbücher in den meisten europäischen Ländern Roma wenig und in stereotypisierender Form thematisieren, gibt es eine Reihe von Ansätzen, die sich davon abhebt.

„Wenn Schulbücher einmal mehr als ein Wort oder einen Satz über Roma beinhalten, dann häufig in Passivkonstruktionen. Das es auch anders geht, zeigt ein ungarisches Geschichtsschulbuch, das nicht nur die Vernichtung von Roma im zweiten Weltkrieg erwähnt, sondern dabei auch den Namen nennt, den der Völkermord in der Zeit des Nationalsozialismus in der Sprache der Roma, dem Romanes, hat: Porajmos.“ erklärt die Bildungsforscherin Prof. Dr. Riem Spielhaus vom Georg-Eckert-Institut.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Roma vor allem in Überblickskapiteln über die Bevölkerungszusammensetzung oder den Massenmord im Zweiten Weltkrieg erwähnt werden und dabei häufig namenlos bleiben. Nur sehr wenige Schulbücher gehen auf die aktuelle Lebenssituation von Roma ein. „Die interne Diversität der Roma, ihre Geschichte im jeweiligen Land, in Europa und der Welt bleiben ebenso unerwähnt wie die Herausforderungen, denen sie gegenwärtig durch Diskriminierung und soziale Marginalisierung ausgesetzt sind.“ erklärt Marko Pecak vom Roma Education Fund, der sich für die Stärkung der Bildungsbeteiligung von Roma in Europa einsetzt.

Auf Grundlage des Befunds, dass Darstellungen von Roma häufig defizitorientiert sind, wurden forschungsbasierte Empfehlungen abgeleitet, die sich an die Mitgliedstaaten des Europarates und ihre jeweiligen nationalen Bildungsministerien, an Autoren und Verlage, an die Zivilgesellschaft und an die Wissenschaft richten.
Europas größte ethnische Minderheit wurde in Lehrplänen und Schulbüchern lang genug vernachlässigt. „Inklusive Bildung sollte gerade nicht zu Privilegien beitragen, sondern den Mitgliedern aller Communities gleichen Respekt entgegenbringen und vorbeugen, dass Schulen Ungleichbehandlung reproduzieren“, sagt Aurora Alincai, Projektkoordinatorin beim Council of Europe.

 

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Catrin Schoneville
Wissenschaftskommunikation
Georg-Eckert-Institut
Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Celler Straße 3 - 38114 Braunschweig
Tel. +49 (0)531/ 59099-504
schoneville@leibniz-gei.de

 

Originalpublikation:

Zur Studie: https://repository.gei.de/handle/11428/306
 

Weitere Informationen:

http://www.gei.de/home.html Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
https://www.romaeducationfund.org/ Roma Education Fund
https://www.coe.int/en/web/portal/home Council of Europe

Was ist Antiziganismus?

Unter Antiziganismus verstehen wir eine gesellschaftlich etablierte spezielle Form des Rassismus gegenüber Sozialen Gruppen, die mit dem Stigma „Zigeuner“ oder anderen verwandten Bezeichnungen identifiziert werden.

Er umfasst
 

  1. Eine homogenisierende, essentialisierende Wahrnehmung und Darstellung dieser Gruppen;
     

  2. Die Zuschreibung spezifischer Eigenschaften an diese;
     

  3. Sowie vor diesem Hintergrund entstehende diskriminierende soziale Strukturen und gewalttätige Praxen, die herabsetzend und ausschließend wirken und strukturelle Ungleichheit reproduzieren.
     

Quelle: Allianz gegen Antiziganismus:
Antiziganismus Grundlagenpapier, Wien/Heidelberg 2017 S.5.

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Arbeitsstelle Antiziganismusprävention
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Institut für Gesellschaftswissenschaften
Im Neuenheimer Feld 519
D-69120 Heidelberg

Email: antizigpraev@ph-heidelberg.de
Tel: 06221/477-337 o. -575
Homepage: 
www.ph-heidelberg.de/antiziganismuspraevention

 

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